Was ist das Postident-Verfahren?

Wenn Banken Konten eröffnen oder Kredite vergeben, müssen sie sich über die Identität des Kunden informieren. Schließlich muss sichergestellt werden, dass es die Person überhaupt gibt und dass diese den Kredit später auch zurückzahlen kann. Bei Filialbanken erfolgt die Personenüberprüfung vor Ort während des Beratungsgesprächs. Direktbanken hingegen müssen auf Alternativen zurückgreifen, da sie ihre Kunden in der Regel nie zu Gesicht bekommen. Sie nutzen daher das Post-Ident-Verfahren oder greifen neu auf die Online-Legitimation zurück.

Die notwendige Legitimation der Kunden

#78884539 - fotolia.com - Matthias Enter

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Banken unterliegen bei Kontoeröffnungen sowie bei Kreditabschlüssen strenge Richtlinien. Dies gilt nicht nur für Filialbanken, sondern auch für Direktbanken, die über das Internet agieren. Sie müssen einerseits natürlich prüfen, ob der Kreditantragsteller in der Lage ist, das Darlehen tatsächlich zurückzuzahlen. Andererseits müssen die Banken aber auch sicherstellen, dass der Kredit von der im Antrag genannten Person beantragt wird. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Person existiert und auch wirklich als Antragsteller fungiert. Schließlich darf niemand einen anderen Menschen als Kreditnehmer eintragen und das Darlehen dann selbst in Anspruch nehmen. Dies wäre Betrug und muss geahndet werden. Die Überprüfung der Personendaten nennt man Legitimation. Diese erfolgt bei Filialbanken im Beratungsgespräch vor Ort, einzig durch Vorlage eines gültigen Ausweises oder eines Reisepasses. Der Mitarbeiter kann die Daten direkt aufnehmen und im Computer speichern, zudem kann eine Ausweiskopie erstellt und in den Kundenunterlagen bereitgestellt werden. Bei Direktbanken gibt es kein Beratungsgespräch, was die Legitimation erschwert. Die Identifizierung des Antragstellers wird daher „ausgelagert“, und zwar an die Deutsche Post AG.

Das Postident-Verfahren in der Filiale

Beim Post-Ident-Verfahren reicht die Bank die Verpflichtung zur Legitimation für Konten und Kredite an die Mitarbeiter der Deutschen Post weiter. Da es in jeder Stadt eine Postfiliale gibt, ist dies eine recht einfache und bequeme Variante, die jeder Bürger in Deutschland nutzen kann. Kosten fallen hierfür natürlich nicht an, diese übernimmt die jeweilige Direktbank, bei der das Girokonto, der Kredit oder die Geldanlage abgeschlossen werden. Kunden erhalten mit dem Ausdruck der jeweiligen Unterlagen einen Post-Ident-Coupon, der dann in der Postfiliale vorgelegt wird. Der Coupon enthält natürlich die individuelle Antragsnummer des Kunden und kann so direkt zugeordnet werden. Hierauf notieren die Angestellten der Post vor Ort die Ausweisnummer sowie das Ausstellungdatum und den Ausstellungsort. Sie bestätigen hiermit, dass die Person in der Filiale mit der Person im Antrag überein stimmt. Wichtig ist natürlich auch hier, dass Personalausweis bzw. Reisepass noch gültig sind und so eine vollständige Legitimation erfolgen kann. Wurde der Coupon von den Mitarbeitern ausgefüllt, wird er vom Kunden vor Ort unterschrieben. So ist es der Bank möglich, nicht nur die Ausweisdaten zu überprüfen, sondern auch die Unterschrift auf dem Kreditantrag mit der Unterschrift der Legitimation zu vergleichen und bei Unstimmigkeiten einzugreifen.

Das Postident-Verfahren online

Obwohl das Postident-Verfahren in einer Filiale der Deutschen Post vergleichsweise bequem und einfach ist, ärgern sich viele Kunden doch über lange Wartezeiten. Auch die Zeit für eine Fahrt in die Innenstadt muss immer kalkuliert werden. Um ihren Kunden diese Wege zu ersparen, hat die Deutsche Post vor einiger Zeit das Postident-Verfahren online eingeführt. Wie der Name schon zeigt, kann die Legitimation nun ganz einfach von zu Hause aus vorgenommen werden. Hierzu wird der Kunde von der Seite der Bank auf das Portal der Deutschen Post weitergeleitet. Dort können nun die persönlichen Daten wie Name und Geburtsdatum eingegeben und das jeweils vorliegende Ausweisdokument (Personalausweis oder Reisepass) ausgewählt werden. Über eine Webcam wird nun ein Videochat mit einer Mitarbeiterin der Deutschen Post gestartet. Die Call-Center Agenten sind entsprechend ausgebildet und überprüfen nun die vom Kunden eingegebenen Daten mit dem vorgelegten Ausweis. Dieser muss hierzu in die Webcam gehalten und überprüft werden. Damit später alles nachweisbar ist, werden auch Fotos vom Ausweis geschossen. Bei positiver Prüfung erhält der Kunde nun eine SMS-Tan und kann die Identifizierung abschließen.

Tipp: Für eine einwandfreie Legitimation wird eine hochwertige Webcam benötigt, die die Ausweisdaten übermitteln kann.

Mit Hilfe des Online-Verfahrens ist es also nicht mehr nötig, in eine Filiale vor Ort zu fahren, sondern die Legitimation kann binnen weniger Minuten von der heimischen Couch aus erfolgen. Zudem ist sie nicht nur am PC, sondern mittlerweile auch via Smartphone und Tablet und damit noch einfacher und vor allem ortsunabhängiger möglich.

Das Postident-Verfahren mit dem neuen Ausweis

Personen, die bereits den neuen Personalausweis besitzen, können sich auch mit diesem legitimieren und online identifizieren. Auch hierzu werden die Kunden auf das Online-Portal der Deutschen Post weitergeleitet, wo schließlich die Legitimation mit dem neuen Personalausweis angeklickt wird. Der Kunde gibt nun die Ausweisdaten ein und lädt weitere Dokumente wie Lohn- und Gehaltsnachweise auf den Server. Diese Daten werden nun mit den Daten auf der Internetseite der Bank abgeglichen. Dies erfolgt natürlich automatisch und kann damit auch dann durchgeführt werden, wenn keine umfassenden Computerkenntnisse vorhanden sind. Stimmen diese Angaben überein, kann die Legitimation freigegeben werden. Diese Freigabe erfolgt je nach Angebot über das Auskunftsportal oder über eine automatische Datenschnittstelle.

Tipp: Für das Postident-Verfahren muss beim neuen Personalausweis die elektronische Identifikation freigeschaltet sein.

Ebenso wie beim Online-Verfahren besteht auch hier der Vorteil, dass die Überprüfung der Kundendaten schnell und vor allem ohne einen Vor-Ort-Termin möglich ist. Da der Ausweis jedoch für den Einsatz im Internet aktiviert werden muss und zusätzlich ein Kartenlesegerät benötigt wird, das durch das BSI zugelassen ist, wird dieses Verfahren noch eher selten genutzt. Es ist jedoch eine Alternative, die bei Bedarf in Anspruch genommen werden kann.

Kategorie: FAQ
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Veröffentlicht am: 14. März 2016
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